Die wohl eingespieltesten und am besten vorbereiteten Teams dieser ersten Auflage des Erfurter Ligabetriebs trafen unverhofft direkt am ersten Spieltag aufeinander und wählten einen angemessenen Rahmen für diese Topbegegnung. Das Plateau im Luisenpark, bekannt für den legerfreundlichen und doch sehr abwechslungsreichen Boden mit herrlichem grauen Kies, wurde im Vorfeld etwas stark gewässert, um dem hohen Grundniveau beider Teams eine kleine erschwerende Komponente entgegenzusetzen.

Die beiden Erfurter Urgesteine Anna und Christian hatten sich schon vor Jahren als fixe Doublette formiert und sind in Vorbereitung auf den Ligabetrieb schon vor einiger Zeit in ein gemeinsames Co-work-trainings-und-living-Zentrum gezogen, um detailliert an den Feinheiten ihres ausgeklügelten Spielstils zu feilen. Legendär halten sich schon geraume Zeit Gerüchte um eine illegale Bouleanlage im Dachboden ihres auf der Insel abgeschotteten Anwesens. Wir wollen uns an diesem Hörensagen selbstverständlich nicht beteiligen, es sei nur soviel gesagt, dass bei diesem routinierten Team nichts dem Zufall überlassen wurde. Gegenüber standen sie heute dem jungen, aufkommenden Team der Trainingsgruppe Erfurt, die beinahe täglich ohne Scham öffentlich wortwörtlich trainieren, der ein oder andere Kindergeburtstag wurde dem wohl schon hintangestellt.
Ergänzt wurde die Kulisse durch die Einstellung des Zuschauerrekordes mit wackeren 5 Beiwohnenden, die gerade den zu Beginn der Partie widrigen Verhältnissen trotzten und auch den verschobenen Start gleichmütig in Kauf nahmen.

Dann ging es endlich los und man merkte gleich, beide Teams hatten sich, wie erwartet, was zurecht gelegt. Fuchs und Elster erelsterten sich auch gleich den Schweinchenwurf, was natürlich die angestrebte Taktik der Trainingsgruppe komplett über den Haufen warf. Fuchs und Elster gingen direkt auf die vollen 10 Meter und legten sofort druckvoll an die Sau. Noch nicht ganz warm und vom forschen Start der Gegner sichtlich überrascht, brauchten die Trainingsgruppler drei vier Aufnahmen, um sich zurecht zu finden. Anna komentierte dies selbst mit einem freudigen "Tschakka". Fast ein bißchen unglücklich lagen Fuchs und Elster 3:1 vorne, es wurden ein zwei Punkte liegen gelassen, was dem mit dem Rücken zur Wand stehenden Gegner das Zutrauen gab, dass sie sich eventuell doch noch zurück kämpfen können würden. In einer etwas fahrigen Aufnahme vergab das ungleiche Getier den Vorteil des Schweinchenwurfes nun schon ein zweites Mal zum 3:3. Das nutzten die beiden nun angestachelten Trainingseifrigen und verlagerten nicht nur das Spiel weg vom matschigen Teil der Anlage, sondern verkürzten die Spiellänge auf kräfteschonende 7 Meter. Hier wurde das sonst ihre Erfahrung so gewieft ausspielende Fuchs und Elster Duo überrascht. Man kam nicht recht zu Rande und legte vermehrt Kugeln hinter das Schweinchen, so dass sich für die Opponenten wiederholt der Luxus eines Kugelvorteils ergab, was diese dann auch zu nutzen wußten. In einer starken, sehr souveränen und abgeklärten Spielweise, die man solch einem jungen Team vielleicht gar nicht in der Form zutrauen hätte können, zog man nun Punkt für Punkt davon. Immer wieder unterbrochen von herausragenden Legerkugeln der wild entschlossen kämpfenden Fuchs und Elster. Bedenkt man, um wieviel es hier gleich am ersten Spieltag ging, war die gezeigte nervliche Leistung vor den vielen ebenfalls hochmotivierten und hochmotivierenden Fans beachtlich.

Es sollte Fuchs und Elster nicht mehr gelingen, in diesem Satz noch einmal zu punkten, es fehlten Nuancen. Die Trainingsgruppe Erfurt entschied den ersten Satz nach etlichen Aufnahmen demzufolge 3:13 für sich. Fuchs und Elster erschwerten den Gegnern das Leben durch ihre (Achtung Wortspiel!) ausgefuchste Spielvariante, komplett auf das Schießen zu verzichten. Zu Beginn eine sehr erfolgversprechende Maßnahme. Als die Trainingsgruppe sich und das Spiel quasi aus dem Schlamm holten, kippte es und wurde zumindest auf dem Zählerstand zu einer eindeutigen Angelegenheit.
Satz 2 startete nach einer kleinen Verschnaufpause mit umgestellter Formation in der Trainingsgruppe. Sie beschlossen, Paul legen zu lassen, um dem enormen Druck der Gegner:innen etwas mehr entgegen setzen zu können. Tom wurde kurzerhand zum Schießer umfunktioniert, eine Maßnahme, die Sicherheit in ihr Spiel brachte, wenngleich sie durchaus von Toms launigem Schießen abhängig blieben.
Die starke Erste von Paul machte sich bemerkbar und auch wenn die Elster, wie das Publikum trefflich bermerkte, fuchsig wurde und immer besser ins eh schon ausgezeichnete Legen kam, sollte lange nichts Zählbares herum kommen. Mehrfach wurde gemessen, die Entscheidungen waren denkbar knapp. Bei 0:8 zogen Fuchs und Elster die Reißleine und wurden zu Elster und Fuchs. Christian war jetzt en colère! Man merkte ihm an, dass das Spiel nicht den geplanten Verlauf nahm und er nicht gewillt war, sich derart unter Wert zu verkaufen. In einer irrwitzig guten Aufnahme und unter mehrfachen lautem Aufstöhnen und Applaus der Zuschauenden erzwang er den ersten Punkt für seine Farben. Es lagen zwischenzeitlich beide Teams paralell press an der Sau, Christian konnte diese durchaus auch brenzlige Situation mit der Dritten lösen, der erlösende erste Punkt war vollbracht.

Einher ging dieses dramatische Moment mit einem rabiaten Spannungsabfall von Elster und Fuchs, die direkt danach alles über sich ergehen ließen und sich in zwei weiteren Aufnahmen zum 1:13 verloren gaben. Man möchte Mäuschen spielen bei der Nachbesprechung der Routiniers, wo haben sie dieses Spiel wohl ihrer Meinung nach aus der Hand gegeben. Taktisch war es eine Meisterleistung, wir haben hier und da eine Fehlkugel notieren müssen und der daraus resultierende Kugelvorteil war dann wohl schlußendlich das ausschlaggebende Ergebnis davon für die Trainingsgruppe Erfurt. Diese übrigens zeigten sich erleichtert und froh über den gelungenen Auftakt der Ligaphase gegen erwartet schwer zu bespielendes Getier. Erleichterung ist hier ein Hilfswort für die offen liegenden Gefühle der beiden großen Erfurter Nachwuchshoffnungen. Diese haben sich allen Respekt verdient, eine konzentrierte Leistung ohne die ganz großen Ausrutscher. Taktisch ist hier und da ein Fragezeichen zu setzen, alles in allem aber eine reife Vorstellung und wir sind gespannt, wie sie sich im Verlauf der nächsten Partien werden schlagen können.
Es gibt keine Kleinen mehr!