Die 1. Runde der Erfurtligalosung bescherte uns einen absoluten Kracher, ein Aufeinandertreffen zweier Spitzenteams der lokalen Szene. Mirek und Nara als wortwörtliches International Dreamteam treffen auf Kathi und Michel aka Karma. Die Begegnung wird ausgetragen auf einem schon traditionell zu nennenden Platz im Zentrum des Stadtparks, wir notieren angenehme 10 Grad bei Nieselregen. Der braune Untergrund ist weich, toleriert aber ein Rollen. Das Geläuf ist leicht hanglagig, was die Spielenden immer wieder in die Irre führen wird. Im Laufe der Partie werden bis zu rekordverdächtigen 5 Zuschauer:innen den Teams frenetisch zujubeln, klatschen und vor Anspannung die Luft anhalten. Denn soviel direkt vorweg, wie es dem extra eingerichteten Liveticker zu entnehmen ist, dieses Spiel hat das Zeug zu einem echten Klassiker des Petanquesports, ein Muss in den Annalen des noch so jungen Erfurter Boulevereins "douze-partout e.V.", kurzum, es war ein Thriller.

Zeigte sich die anfängliche Nervosität vor allem in viel zu kurzen Schweinchenwürfen, war mit der Hand an der Kugel davon nichts zu sehen. Von Beginn an entwicklt sich ein absolutes Spitzenspiel, welches insbesondere durch hervorragende Legeleistungen auf beiden Seiten hervorsticht und zudem in Nara für das Dreamteam einen von Beginn an treffsicheren Schießer aufbietet. So startet das Spiel mit kleinen Aufnahmen, wobei das eigentlich stark aufspielende Karma sich die Augen reiben musste, stand es doch bald 5:0 für die Gegner. Den überragenden Auftakt untergraben die Dreamteamler dann selbst, werden unkonzentrierter und verwerfen Kugeln schnell hintereinander. Das Karma kann in der Folge daraus Kapital schlagen, aber der Schießer wackelt und so ist es nur folgerichtig, dass früh beim Stand von 6:3 getauscht wird. Eine Umstellung die sich lohnen sollte, Kathi zeigte sich im weiteren Spielverlauf sehr treffsicher und Michel sollte nach kurzer Eingewöhnung eine Lehrbuch-Eins spielen. Da Mirek dem in nichts nachstand und Nara weiter hochprozentig traf und entscheidende Kugeln nachlegen konnte, wurde dies ein Satz für Genießer dieses so besonderen Spiels. Ein sich kurzeitig zu einem veritablen Regen steigernder Niesel setzte früh ein und erfrischte die Spieler:innen, zugleich erfuhr der Platz dadurch über die Dauer der Begegnung mehrere Wandel. Wie die 4 Protagonisten dies händelten, fordert Respekt ab, allerdings gerade hangabwärts schlichen sich beständig Fehlkugeln ein. Der eigentlich gut zu beherrschende Platz wurde zu einem Testfeld. Spielentscheidend war im ersten Satz aber wohl ein verunglückter Schuss Naras, welcher zwar traf, dabei durch den seitlichen Stoß den eigenen Punkt mit raus nahm und so 2 Punkte zum 9:8 dem Karma schenkte. Bis dahin sahen die Fans ein eindeutiges Übergewicht für die Internationalen. Diese Aktion war ein Knick im Spiel, der erste Satz ging, trotz weiterhin starker Gegenwehr mit 10:13 an das Karma.
Mit dem Ende des ersten Satzes kam die Sonne kräftig durch, der zerwühlte Platz wurde getrocknet und die ersten Jacken wurden abgelegt. Wirklich befreit aufspielen konnte allerdings erstmal nur das Karma. Das International Dreamteam gönnte sich nach dem Satzverlust keine Pause, war aber noch sichtlich angeschlagen von den letzten verlorenen Aufnahmen und der ein oder anderen unglücklichen Aktion.
So startete denn auch das Karma mit einem schönen 1:6 Lauf in Satz 2 und es muss hier gesagt werden, in dieser Phase hätte das Spiel schon entschieden sein können, wenn nicht müssen. Das Karma hatte drei, vier Aufnahmen, in denen es versäumt hatte, die notwendigen Punkte für den Sieg zu machen. Michel legte eine überragende Eins, an welcher das konsterniert wirkende Dreamteam mehrfach scheiterte und sich leer spielte. Da das Karma in dieser Phase zu lachs mit den daliegenden Chancen umgang, unkte man im Publikum, dass nur eine gute Situation das Dreamteam wecken könnte und das Spiel bekäme womöglich eine Wendung. Dieser Weckruf kam, Nara schoss Michels Erste krachend carreau hinaus und bleibt schön davor liegen. Mirek war auf einmal wieder voll da und bereitete Kathi in Serie neue Aufgaben und zwang sie irgendwann Mitte dieses zweiten Satzes in die Knie. Kathis Trefferquote sank stetig ab und so fehlten entscheidende Kugeln, um sich dem immer besser aufkommenden Dreamteam zu erwehren. Bis zum Stand von 5:10 sah das Ganze noch lösbar aus, aber man spürte schon, dass das nicht mehr lange gut geht. Als schließlich Michel einmal nicht ganz optimal vorlegte, schnappten die Internationalen zu und glichen aus zum 10:10. Das Spiel bewegte sich auf einem extrem hohen Niveau, so dass jede Aufnahme am Ende nur durch minimale Schwächen entschieden wurden. Den Satz entschied schließlich Nara, der in einem engen Kugelbild und nachdem Kathi schon kapitulerend den Kreis aufgehoben hatte, eiskalt und präzise die 13 legte. Es stand nun 1:1, beide hatten ihre Sätze 13:10 gewonnen.
Die Zahlen geben exakt wider, was die Zuschauenden geboten bekamen, ein enges, hochklassiges Spiel mit einer Vielzahl an Highlights.

Siegbringend im alles entscheidenden dritten Satz war dann wohl die eine große Schwäche des Dreamteams beim Stand von 3:3, als sie 5 Kugeln einen Meter links vor dem Schwein plazierten und lediglich eine ins Ziel brachten. Diese wurde umgehend vom zurückgetauschten Michel als Schießer entfernt und so holte sich das Karma aus dieser Aufnahme das nötige Polster in Form von 5 Punkten. Zwar kam das Dreamteam nochmal auf 6:8 heran, aber das Spielniveau war einfach zu hoch, um diesen Rückstand ohne weiteres wettzumachen. Da sich das Karma keine größeren Ausfälle mehr leistete und dem International Dreamteam das Quäntchen Glück in der ein oder anderen vielversprechenden Situation fehlte, verlief der Satz relativ gleichmäßig dahin. Das Spiel flachte etwas ab, wir waren nun im Bereich von fast 4 Stunden Spielzeit und mit der untergehenden Sonne wurde es auch wieder spürbar kälter. Die Fans verteilten sich nach und nach und mit einer völlig unscheinbaren letzten Aufnahme ging dieser trotz allem hart umkämpfte Satz mit 8:13 an das Karma und somit auch der Sieg der Begegnung.

Niemand, der dieses Spiel gesehen hat, möchte gerne selbst gegen diese beiden Teams in dieser Form antreten. Wenige explizite Fehler im Spiel selbst, ein zwei knifflige taktische Entscheidungen, mehr war hier nicht auszumachen und das bei drei engen und vibrierenden Sätzen.
Der Liveticker urteilte: "Das hätte auch anders ausgehen können"
Dem schließen wir uns an.
Danke an beide Teams für dieses hochklassige Match, für diese Werbung für unser schönes Spiel.